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Warten in der Dunkelheit

Viele sagen: „Wer wird uns Gutes sehen lassen?“ HERR, lass leuchten über uns das Licht deines Antlitzes!

Ps 4,7


Was ist das für eine Zeit, in der wir leben. Der Winter ist sowieso schon eine Zeit der Dunkelheit. Die Sonne geht früh unter und geht nur spat wieder auf. Um uns herum tobt eine globale Pandemie und täglich werden Leute krank und sterben.

Wir sehnen uns nach Licht und Hoffnung. Wie die Psalmdichter rufen wir aus “Lass dein Angesicht auf uns leuchten!” Ich kann dieses Gebet gut verstehen, mehr noch ich spüre dieselbe Sehnsucht tief in meinen Knochen.

Und das Licht kommt. Langsam, aber sicher, wird des jeden Tag ein bisschen heller. Und das Licht kommt. Langsam, aber sicher, bringt wissenschaftliches Arbeiten Forscherinnen und Ärzte näher daran einen Impfstoff zu entwickeln.

Aber mir fällt noch etwas anderes an diesem Text auf: Der Psalm bittet Gott nicht nur, Licht zu uns zu bringen, sondern er bittet Gott auch, unsere Wahrnehmung zu ändern: „Wer wird uns Gutes sehen lassen?“ Was, wenn es meine Aufgabe ist, Ausschau zu halten, nach dem Guten, das Gott in dieser dunklen Zeit bereits am Schaffen ist? Was, wenn es meine Aufgabe ist, darauf zu achten, was Gott in dieser Zeit des Wartens schon tut?

Denn Dunkelheit ist nicht nur schlecht. Ohne die Dunkelheit der Erde können Wurzeln nicht wachsen. Wenn wir die Bäume und Pflanzen um uns herum betrachten, sehen wir nur die Hälfte von ihnen. Die Wurzeln, versteckt in der Dunkelheit der Erde, geben dem Ganzen Halt und Kraft. Ohne die Dunkelheit der Gebärmutter können Babies nicht wachsen. In der Dunkelheit erleben sie Sicherheit und Liebe, während sie im „im Bauch [ihrer] Mutter gebildet“ werden (Psalm 139). Babies wachsen in der Dunkelheit bis sie stark genug sind, ins Licht zu treten.

Ich bin überzeugt, auch die Dunkelheit dieses Corona-Winters ist nicht ohne Gutes. Aber wie können wir lernen, es zu sehen?
Ich habe eine geistliche Übung der Dankbarkeit begonnen. Jeden Tag halte ich Ausschau nach dem Guten – ich halte Ausschau danach, wo Gott mich diesen Tag überrascht hat.
Und ich beobachte nicht nur, ich fasse es in Worte und halte es fest. Dazu habe ich mit ein paar Freunden eine WhatsApp-Gruppe nur zu diesem Zweck gegründet. Vielleicht wäre das auch was für dich? Oder du fängst stattdessen eine Liste, oder ein Dankbarkeitstagebuch an? Oder du probierst, einfach bei jedem Abendessen deinem Gegenüber eine Sache zu erzählen, für die du dankbar bist. Und fragst, wofür er dankbar ist. Wie wäre es, wenn wir gemeinsam Ausschau hielten, nach dem Guten, dass Gott gerade jetzt schafft?

Dieses sehnsüchtige Ausschau zu halten nach Spuren des lebendigen und liebenden Gottes in meinem Leben, gerade auch an dunklen und nebligen Tagen, ist für mich zu einem tiefen Schatz geworden. Ich spüre, wie meine Wurzeln in dieser Dunkelheit tiefer geworden sind, auch wenn dieses Wachstum an der Oberfläche es nicht immer sichtbar ist. Aber es ist da, in den tiefen versteckten Teilen meiner selbst, und ich glaube, dass auch in dir, vieles am Reifen und Wachsen ist.


Rianna Isaak-Krauß

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