Beten mit Geschwistern weltweit 14.1.2020 12 Uhr

21. Januar 1525 fand die erste Taufe der später sogenannten Täufer in Zürich in der Schweiz statt. Seit einigen Jahren feiert die weltweite mennonitische Glaubensfamilie nun schon den “Weltgemeinschaftssonntag” an einem Sonntag um den 21. Januar. In Regensburg feiern wir diesen Gottesdienst über Zoom mit internationalen Gästen  am 31. Januar um 10 Uhr.

Zusätzlich gibt es ein Zoom-Gebetstreffen am Samstag den 14.1.2020 an zwei Terminen, um 1 Uhr und 12 Uhr.
Anmeldung auf der Webseite der Weltkonferenz: https://mwc-cmm.org/form/mwc-online-prayer-hour-registration

 

Warten in der Dunkelheit

Viele sagen: „Wer wird uns Gutes sehen lassen?“ HERR, lass leuchten über uns das Licht deines Antlitzes!

Ps 4,7


Was ist das für eine Zeit, in der wir leben. Der Winter ist sowieso schon eine Zeit der Dunkelheit. Die Sonne geht früh unter und geht nur spat wieder auf. Um uns herum tobt eine globale Pandemie und täglich werden Leute krank und sterben.

Wir sehnen uns nach Licht und Hoffnung. Wie die Psalmdichter rufen wir aus “Lass dein Angesicht auf uns leuchten!” Ich kann dieses Gebet gut verstehen, mehr noch ich spüre dieselbe Sehnsucht tief in meinen Knochen.

Und das Licht kommt. Langsam, aber sicher, wird des jeden Tag ein bisschen heller. Und das Licht kommt. Langsam, aber sicher, bringt wissenschaftliches Arbeiten Forscherinnen und Ärzte näher daran einen Impfstoff zu entwickeln.

Aber mir fällt noch etwas anderes an diesem Text auf: Der Psalm bittet Gott nicht nur, Licht zu uns zu bringen, sondern er bittet Gott auch, unsere Wahrnehmung zu ändern: „Wer wird uns Gutes sehen lassen?“ Was, wenn es meine Aufgabe ist, Ausschau zu halten, nach dem Guten, das Gott in dieser dunklen Zeit bereits am Schaffen ist? Was, wenn es meine Aufgabe ist, darauf zu achten, was Gott in dieser Zeit des Wartens schon tut?

Denn Dunkelheit ist nicht nur schlecht. Ohne die Dunkelheit der Erde können Wurzeln nicht wachsen. Wenn wir die Bäume und Pflanzen um uns herum betrachten, sehen wir nur die Hälfte von ihnen. Die Wurzeln, versteckt in der Dunkelheit der Erde, geben dem Ganzen Halt und Kraft. Ohne die Dunkelheit der Gebärmutter können Babies nicht wachsen. In der Dunkelheit erleben sie Sicherheit und Liebe, während sie im „im Bauch [ihrer] Mutter gebildet“ werden (Psalm 139). Babies wachsen in der Dunkelheit bis sie stark genug sind, ins Licht zu treten.

Ich bin überzeugt, auch die Dunkelheit dieses Corona-Winters ist nicht ohne Gutes. Aber wie können wir lernen, es zu sehen?
Ich habe eine geistliche Übung der Dankbarkeit begonnen. Jeden Tag halte ich Ausschau nach dem Guten – ich halte Ausschau danach, wo Gott mich diesen Tag überrascht hat.
Und ich beobachte nicht nur, ich fasse es in Worte und halte es fest. Dazu habe ich mit ein paar Freunden eine WhatsApp-Gruppe nur zu diesem Zweck gegründet. Vielleicht wäre das auch was für dich? Oder du fängst stattdessen eine Liste, oder ein Dankbarkeitstagebuch an? Oder du probierst, einfach bei jedem Abendessen deinem Gegenüber eine Sache zu erzählen, für die du dankbar bist. Und fragst, wofür er dankbar ist. Wie wäre es, wenn wir gemeinsam Ausschau hielten, nach dem Guten, dass Gott gerade jetzt schafft?

Dieses sehnsüchtige Ausschau zu halten nach Spuren des lebendigen und liebenden Gottes in meinem Leben, gerade auch an dunklen und nebligen Tagen, ist für mich zu einem tiefen Schatz geworden. Ich spüre, wie meine Wurzeln in dieser Dunkelheit tiefer geworden sind, auch wenn dieses Wachstum an der Oberfläche es nicht immer sichtbar ist. Aber es ist da, in den tiefen versteckten Teilen meiner selbst, und ich glaube, dass auch in dir, vieles am Reifen und Wachsen ist.


Rianna Isaak-Krauß

4. Advent

3. Advent

1. Advent

Vom Konflikt zur Versöhnung – eine Einladung

„Wir reden immer davon, eine Friedenskirche zu sein, aber wie geht das eigentlich—Friedenstiften?“

Diese Frage aus unserer letzten Lesegruppe zum Buch „Nackter Glaube“ beschäftigt mich. Im Nachdenken über diese Frage bin ich über John Paul Lederachs Buch „Vom Konflikt zur Versöhnung“ gestolpert. Der Autor ist seit Jahrzehnten als Mediator und Trainer in Konfliktgebieten auf der ganzen Welt unterwegs. Herausgekommen ist ein spannendes und lebensnahes Buch, das von Kapitel zu Kapitel neue Perspektiven auf Konflikte in unserem Leben und in der Bibel schenkt.

Von Anfang Dezember bis Mitte Februar werden wir jeden Donnerstagabend 19:30-21:00 Uhr (außer 24.12. und 31.12.) über die Videokonferenzplattform Zoom ein Kapitel besprechen und darüber ins Gespräch kommen. Die konkreten Termine und Links finden Sie hier. Wer noch überzeugt werden muss, für den habe ich hier fünf Gründe zusammengefasst, warum es sich gerade jetzt lohnt dieses Buch gemeinsam zu lesen:

1)  Konflikte als Chance für geistliche Reife
Wir alle kennen Konflikte. Kleinere Meinungsverschiedenheiten, aber auch jahrelange Konflikte, die zu Verbitterung und Entfremdung führen, sind vielen von uns nicht fremd. Ein großes Hindernis im Umgang mit Konflikten ist die Überzeugung, dass Konflikte an sich schlecht seien. Lederach zeigt, dass Konflikte nicht nur Teil des Lebens sind, sondern sogar dem Leben dienen und uns tiefer in die Begegnung mit dem lebendigen Gott führen können.

2) Friedensstiften als Handwerk und Kunst, nicht als Technik
Wie können wir Menschen zum Dienst an der Versöhnung ausrüsten? Oft bleibt es beim Appell. Ein anderer beliebter Weg ist, bestimmte Techniken zu vermitteln, mit denen es angeblich leichter sein, mit dem nervigen Onkel umzugehen. Zwar gibt Lederach auch konkrete Tipps zum Umgang mit Konflikten, wichtiger ist ihm aber, eine Haltung der Neugierde gegenüber dem Anderen einzuüben, die nicht nur den Anderen, sondern mich selbst verändert.

3) Neuer Blick auf vertraute biblische Texte
Jedes Kapitel beschäftigt sich mit einer biblischen Geschichte, die vor dem Horizont von Konflikten gelesen wird. So entstehen neue Lesarten für vertraute Texte und manchmal entsteht ein Zugang zu Texten, die uns bisher fremden blieben—etwa den Rachepsalmen—die wir nun als Schatz erkennen.

4) Versöhnungs- und Konfliktfähigkeit als Zeugnis in einer pluralistischen Welt
Weil Konflikte niemandem fremd sind, verbinden sie uns auch mit anderen, sei es als Konfliktpartner, gemeinsam unter Konflikten leidenden, oder einfach als Nachbarn, die hören, wenn drüben die Fetzen fliegen. Konfliktfähigkeit ist in unserer nachchristlichen Gesellschaft eine missionale Praxis, die gute Nachricht konkret werden zu lassen. Denn Versöhnung ist das Evangelium.

5) Jetzt ist die Zeit unsere Seelen wachsen zu lassen.
Wir durchleben zurzeit eine der größten Herausforderungen seit langem. Im Corona-Winter fehlt uns der soziale Kontakt, viele sind besorgt um Angehörige und Beruf und überfordert von den Mehrbelastungen. Ungewissheit, Stress, und mangelnde Befriedigung von Bedürfnissen; all dies sind Faktoren, die Konflikte fördern und Empathie und Neugierde am anderen schwierig machen. Gleichzeitig ist diese Zeit des unerwarteten Exils genau die richtige Zeit, nachzudenken und unsere Füße neu auszurichten auf den Weg des Friedens. Mit Zoom haben wir die Möglichkeit, uns ohne lange Fahrtwege und ohne Infektionsrisiko auszutauschen, voneinander zu lernen und gemeinsam zu stärken. Ich freue mich auf euch.

Benjamin Isaak-Krauß
Vikar der Mennonitengemeinde Regensburg

Alles ist schrecklich und mir geht’s nicht gut

Wichtige Fragen bevor du aufgibst*
(Nicht nur für Corona-Zeiten)

Hast du genug getrunken? Wenn nicht, dann trink jetzt ein Glas Wasser.